Artikel in der NWZ von unserem Freundeskreis am 30. April

 

MARGIT HAAS | 30.04.2015:

Suchtkrankenhilfe trifft sich im CVJM-Haus

Der Weg aus einer Sucht heraus ist schwer. Experten, aber auch Betroffene sind wichtige Begleiter. Der Freundeskreis für Suchtkrankenhilfe Göppingen ist als Selbsthilfegruppe eine wichtige Anlaufstelle.

Der Freundeskreis Suchtkrankenhilfe trifft sich dienstags ab 19 Uhr in der Teestube des CVJM-Hauses. 

Es sind überwiegend ältere Männer und Frauen, die sich im CVJM-Haus in Göppingen getroffen haben. "Die Jungen saufen genau so, wollen aber nicht wahrhaben, dass sie Alkoholiker sind", stellt ein Besucher des "Freundeskreis für Suchtkrankenhilfe Göppingen" fest. Hier treffen sich Betroffene regelmäßig, tauschen sich aus. "Hier wird jeder als Mensch betrachtet und nicht als eine Ansammlung von kranken, versoffenen Organen", ergänzt ein anderer in schonungsloser Offenheit. "In unserer Selbsthilfegruppe helfen wir uns gegenseitig und dies sehr erfolgreich. Es ist belegt, dass fast alle regelmäßigen Besucher solcher Gruppen abstinent bleiben." Bei den anderen liegt die Rückfallquote bei 75 Prozent.

Willkommen sind alle, die den Schritt aus der Sucht heraus für sich selber vollziehen wollen. Nur dann kann er erfolgreich sein. Nur wer mit sich selbst im Reinen sei, könne den schweren Weg auf sich nehmen. Hubert erzählt freimütig seinen Weg in die Abhängigkeit. "Sauf ein Bier, dann kannst Du besser Musik machen", hatte ihm als 14-Jährigem ein Musiker im Musikverein geraten. "Ich wollte nicht zurückstehen und ein Mann sein." Dem ersten Rausch folgten unzählige. "Anfangs war der Alkohol Aufputschmittel, dann musste ich trinken. Ich habe erst angefangen nachzudenken, als anderen mein Trinkverhalten auffiel. Und ich wusste zwar, dass mir das Trinken nicht gut tut, aber ich musste", erinnert er sich. Der Teufelskreis war perfekt, Selbstvorwürfe nahmen zu - gerade morgens, wenn er gleich nach dem Aufstehen zwei Bier trank gegen das Zittern. Erst als seine Frau nach dem körperlichen Zusammenbruch und einem Schlaganfall drohte, ihn zu verlassen, entschloss er sich zur Langzeittherapie. "Dort fand ich zu mir."

Im Jahre 2002 war dies und seither hat der 57-Jährige keinen Tropfen mehr getrunken. "Denn das Suchtgedächtnis erinnert sich und mit einem Glas wäre ich rückfällig." Auch eine Frau lebt abstinent. "Wie viele Frauen habe ich heimlich getrunken", erzählt sie. Oft konnte sie nicht arbeiten, die Fehlzeiten summierten sich, sie wurde entlassen. Die schlimmste Erinnerung für sie ist aber das Leiden ihres Kindes, das sich für sie schämte. "Das plagt mich heute noch", wenn auch ihre Tochter stolz ist, dass sie die Sucht hinter sich lassen konnte. Auch dank des Freundeskreises. "Hier hole ich mir Kraft, hier haben alle dieselben Probleme." Sie ist wie alle in der Runde sehr glücklich, "dass ich wieder Herr meiner selbst bin und nicht mehr trinken muss."

Alle in der Runde beklagen, dass die Gesellschaft zu sorglos mit Alkohol umgeht und wünschen sich die gleichen konsequenten Schritte wie gegen das Rauchen. Mit in der Runde sitzen auch Ehepartner. "Sie machen mehr mit als die Alkoholiker selbst", stellt ein Mann fest und ist froh, dass seine Ehe hielt, dass seine Frau zu ihm stand und seine Kinder sich heute nicht mehr für ihn schämen müssen.